Milli – Bayreuth4U Projekt

Milli-Sarai, kurz Milli, ist die erste Kuh die Rosina Espig gerettet hat. Milli ist ein Mix aus einem Angus Stier und einer Milchkuh und die Leitkuh der kleinen Herde die bei Rosina lebt.

Rosina ist in einem kleinen Dorf und mit vielen Tieren groß geworden. In ihrer direkten Nachbarschaft gab es viele Bauernhöfe und als Kind besuchte sie die Höfe. Schaute den Landwirten beim Arbeiten zu und knüpfte enge Freundschaften mit den Tieren dort. Durch diesen engen Bezug und ihre enge Beziehung zu einigen Tieren erlebte Rosina schon in jungen Jahren, was es heißt, wenn Tiere die konventionelle Landwirtschaft durchleben müssen.

Mit 11 Jahren suchten sich sie und ihre Freundin jede ein Kalb aus, welches zu ihrem jeweiligen Wunschkälbchen wurde. Sie durften mit „ihren“ Kälbchen sogar kleine Spaziergänge machen und bauten eine enge Bindung zu den Tieren auf. Jedoch währte die Idylle nicht lange, denn Rosinas Jungrind wollte einfach nicht tragend werden. Es stellte sich heraus, dass das Rind eine Zwicke war und nie tragend werden würde. Somit war ihr Urteil schnell gefällt: die Schlachtung.

Eine Zwicke ist ein weibliches Rind mit Freemartinismus, welches noch einen männlichen Zwilling hat. In der Zwillingsträchtigkeit wachsen Choriongefäße der beiden Feten zusammen. Dadurch kommt es zu einem Blutaustausch zwischen den Zwillingen. Die Hormone des männlichen Fötus beeinflussen die des weiblichen und somit bilden die Weibchen keine funktionsfähigen weiblichen Geschlechtsorgane aus. Sie sind zwar meistens vorhanden, jedoch unterentwickelt oder in manchen Fällen fehlen Eileiter, Gebärmutter oder Vagina sogar komplett. Zwicken können nur in den aller seltensten Fällen tragend werden.

Nach diesem einschneiden, verstörenden und prägenden Erlebnis, fühlte sich Rosina unendlich machtlos und es erschien ihr fast unglaublich, dass so etwas Grausames und in ihren Augen sinnloses überhaupt geschehen darf. Seit diesem Zeitpunkt an wusste sie, dass sie etwas ändern wollte. Sie konnte die Milch auf dem Tisch nicht mehr ansehen und beschloss ein ein Praktikum beim Bio-Milchvertrieb zu machen um herauszufinden ob dieses System und die Milch eine Alternative ist.

Milli wurde in der Nacht vor Rosinas ersten Praktikumstag geboren. Rosina war der erste Mensch, den das kleine Kuhkalb zu Gesicht bekam. Milli war dazu bestimmt mit zwei Wochen in einen Masttrieb zu kommen um dort schlachtreif gemästet zu werden. Rosina hätte es nicht noch ein mal ausgehalten und beschloss, dass sie dieses kleine zierliche Wesen rettet. So kaufte sie Milli.

Dies war für sie der ungeplante Beginn ihres kleinen Lebenhofes. Immer von der Motivation getrieben, etwas Gutes für Tiere zu tun und geleitet von der Stimme ihres Herzens kamen so nach und nach mehr Tiere dazu. Mittlerweile können fünf Rindern, drei Ziegen, drei Kaninchen, zwei Minischweine, ein Hund & eine Katze frei bei Rosina leben.

Milli verbrachte die ersten 3 Jahre ihres Lebens noch auf dem Bio-Betrieb, da Rosina noch Minderjährig war und sie noch nicht zu sich holen konnte. In dieser Zeit arbeitete Rosina jeden Samstag auf dem Hof und stemmt so mit ihrem Taschengeld und dem Lohn die Unterkunft für Milli. Sie konnte durch dieses Geld sogar 1,5 Jahre später noch ein zweites Kalb mit dem Namen Molli-Nore frei kaufen. Und als sie endlich 18 wurde kaufte sie noch ihr drittes Kalb Ursus Corbinian Wotan frei und holte alle drei zu sich. Sie pachtete eine Weide von den Nachbarn und ein Stück Land von ihren Eltern.

Milli ist die unangefochtene Leitkuh der Herde. Sie besitzt die magische Ausstrahlung einer natürlichen Anführerin. Auch wenn sie im Bezug auf Menschen und unnatürliche Gegebenheiten oft sehr unsicher reagiert, besitzt sie in ihrer Position ein natürliches Selbstbewusstsein das Machtkämpfe zumeist bereits im Keim erstickt.

Für Rosina ist sie eines ihrer größten Vorbilder, denn sie versteht es, sanfte aber klare Grenzen zu setzen und und von allen ihren Tieren hat sie von ihr wohl am meisten über sich selbst gelernt. Auch wenn Milli mit ihren rund 1000 kg Körpergewicht vielleicht erstmal etwas plump wirkt, ist sie unglaublich sensibel. Lange hat Rosina gebraucht um zu verstehen wie ähnlich sie sich sind.

Am Anfang hatte jeder sie gewarnt wie gefährlich so eine Kuh sein kann. Weswegen sie lange versucht hatte Milli zu „kontrollieren“. Sie dachte sie müsste streng mit ihr sein, sodass die Kuh auf sie hört. Das war jedoch der größte Fehler den sie hat machen können. Denn Milli reagierte auf die Versuche des „Erziehens“ mit Abwehr und Panik. Dementsprechend turbulent waren die ersten Jahre und haben Rosina immer wieder an ihre Grenzen gebracht. Jedoch hat sie über diese Zeit gelernt zu verstehen und zu sehen was sie falsch gemacht hat.

Den Durchbruch in ihrer Beziehung gab es, als sie vor etwas 2 Jahren beschlossen hat, Milli auf ihren Sparziergängen ohne Leine laufen zu lassen. Milli war früher mehrmals weggelaufen und hatte sich öfters erschrocken. Sie war dann weggerannt und hat teilweise mehrere Kilometer in panischem Galopp zurück gelegt. Somit war die Entscheidung, sie komplett frei laufen zu lassen für Rosina zu erst eine ziemlich Mutprobe. Ihre Intuition gab ihr jedoch Recht.
Je mehr Freiheit sie Milli gab, desto mehr Vertrauen gab ihr diese zurück. Je mehr Vertrauen Rosina Milli entegegen brachte, desto intensiver durfte sie erfahren wie sanft eine tonnenschwere Kuh sein kann.

Eine weitere sehr intensive Erfahrung haben die beiden vor 1,5 Jahren zusammen gemacht. Ihre Freundin, die damals auch „ihr“ Kälbchen ausgesucht hatte, hatte sich das zwicken Kalb Liv Aurelia gekauft. Für die Aufzucht von Liv Aurelia hat Rosina sie bei sich und ihren Rindern mit aufgenommen. Sie hätte nicht damit gerechnet doch Milli übernahm von einen auf den anderen Tag die Mutterrolle für die kleine Livi. Sie umsorgte Livi von Morgens bis Abends umsorgt und sogar angefangen, obwohl sie nie selber ein Kalb hatte, ein kleines bisschen Milch zu geben.

Millis Wesen hat noch ein mal einen unglaublichen Entwicklungssprung gemacht. Ihr Selbstbewusstsein explodierte schier und die gemeinsame Aufgabe, ein Kalb aufzuziehen, hat Rosina und Milli noch enger zusammen wachsen lassen.

Im Sommer 2018 hat Milli noch ein weitere Kalb ihrer Freundin aufgezogen. Ebenso hat sie die beiden jüngsten Rinder von Rosina Emma Joel und Benjamino großgezogen. Emma Joel wurde viel zu klein geboren und war somit unrentabel für den Betrieb. Bei Benjaminos Geburt konnte Rosina dabei sein und in Zusammenarbeit mit dem Verein Stark für Tiere e.V. konnte er gerettet werden und zu Rosina gebracht werden. Sein Unterhalt wird auch weiterhin in Kooperation mit dem Verein gesichert.

Durch ihren Job als Erzieherin in der Kinder- und Jugendhilfe hat Rosina die täglich anfallenden Kosten für ihre Tiere stemmen können. Dieses Jahr hat sie beschlossen den nächsten Schritt zu wagen und sich komplett für ihre Tiere zu entschieden. Ihren Weg und ihren oft chaotisch, herrlich, schönen, nie alltäglichen Alltag könnt ihr auf Facebook, Instagram und Youtube verfolgen. Außerdem hat Rosina zum 01.07.2019 mit ihrem Blog begonnen.

Mit ihrer Dokumentation ihres Alltages möchte sie anderen Menschen einen Teil ihrer Arbeit, ihrer Liebe & Verbindung zu den Tieren und der Natur nahe bringen. Sie möchte daran erinnern, wie ähnlich wir, Menschen & Tiere, einander sind und zeigen, worauf es für sie im Leben wirklich ankommt. Sie möchte ihren Teil dazu beitragen, die Beziehung zwischen Menschen, Tieren & der Natur zu heilen und die Welt zu einem friedlichem Ort zu machen. Sie hofft die Menschen dazu zu inspirieren selber wieder in sich hinein zu hören und auf das zarte Flüstern des Herzens zu lauschen.

2 Kommentare

  1. Pingback: It´s Cowtime – Rosina Espig

  2. Rosina Espig

    Liebe Lena,
    ich möchte dir von Herzen danken für deine wunderbare Arbeit! Es ist so schön zu sehen, wie viel Liebe & Leidenschaft du darein investierst und ich bin mir sicher, dass du viele Herzen bewegen kannst. Ich bin wirklich beindruckt davon, wie ausführlich du die Geschichte von meiner Milli wieder gegeben hast und wie wundervoll du sie gezeichnet hast! Der Blick, den kenne ich tatsächlich 😀 Ist nicht gerade ihr „gute Laune Blick“ aber zu 100% ihrer! Du hast sie wundervoll getroffen & ich wünsche dir alles, alles liebe und eine ausreichende Portion Erfolg für deine Mission !
    Herzliche Grüße
    Rosina

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