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it’s cowtime bei Christian Wenzel’s veganpodcast

Ich war neulich im Interview mit Christian Wenzel in seinem Vegan Athletes Podcast. In 25 Minuten erzähle ich, die Lena Wenz, euch woher die Liebe zu Kühen kommt, wie it’s cowtime entstanden ist und dazu gibt es am Ende noch eine kleine Spieleinlage von Mucca, herself and I.

Das Interview als Podcast mit allen Shownotes etc. : HIER

Die Shownotes für euch auch hier noch mal zum Nachlesen:

Mein Name ist Lena Wenz, ich bin 28 Jahre alt und habe eine Ausbildung zur Fotografin sowie ein Kommunikationsdesign Studium mit Schwerpunkt Grafik abgeschlossen. Ich bin auf dem Land im schönen Bad Berneck im Fichtelgebirge groß geworden und habe schon immer viel Zeit mit Tieren und bei Tieren verbracht. Als Kind habe ich oft auf dem Heuboden eines Bauernhofs gespielt und mit den Kälbchen gekuschelt. Mit 12 Jahren nannte mich eine meiner besten Freundinnen „Knutschkuh“, wir haben uns Briefe geschrieben, wie man das halt so macht in dem Alter als Mädchen. Ich habe unter die Briefe oft „Knutsch“ geschrieben, deswegen nannte sie mich so. Somit begann das alles mit den Kühen und mir.

Die Kuhliebe breitete sich immer mehr aus und über die Jahre hinweg war ich dann das Mädchen mit den Kühen. 2012 lebte ich für ein halbes Jahr in Berlin, für mich das erste mal eine große Stadt, die mir einfach so passiert ist, wirklich nach Berlin wollte ich eigentlich nie. Jedoch verliebte ich mich dann nach und nach auf meinen Entdeckungstouren in die Stadt, jedoch fehlte mir etwas und zwar Kühe. Deswegen beschloss ich, dass ich die Stadt durch ein paar Kühe bereichere. Das war die Geburtstunde des kleinen Stickerkühchen und dem Projekt „it’s cowtime“. Begonnen hat also alles aus der Liebe zu Kühen, Aufklebern und Spaß an der Freude.

Als ich mich für mein Kommunikationsdesignstudium an der FH in Bielefeld beworben habe, war meine Mappe, Überraschung, natürlich voller Kühe. Durch diese noch mal intensivere Auseinandersetzung mit dem Tier Kuh, deren Haltung, Ausnutzung und dem Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran, war für mich von einem Tag auf den anderen klar, dass ich keine Kühe mehr essen möchte. Und zwei Tage später habe ich beschlossen um wirklich konsequent zu sein verzichte ich auch auf alle Milchprodukte etc. Somit wurde der Sticker zu meine Kommunikationsbrücke um mit Leuten ins Gespräch zu kommen und mich mit ihnen über Tierhaltung und unser Essverhalten zu unterhalten.

Obwohl ich damals 2012 beim Auswahlverfahren zur Studieneignung meiner Professorin versprochen hatte, dass ich im Studium meine Kühe loslassen werde, konnte ich es doch nicht. Am Ende war ich in der FH als „die mit den Kühen“ bekannt und immer wieder erzählten mir Kommilitonen, dass wenn sie eine Kuh gesehen hatten sie an mich denken mussten. Immer wieder tauchte dann natürlich die Kuh in meinen Semesterprojekten auf und somit kam es auch zu dem it’s cowtime Kalender. Als ich 2014 merkte, dass ich für 2015 einen neuen Kalender brauche, kam mir die Idee mir selbst einen zu gestalten und da lag es nahe, dass Kühe in dem Kalender eine große Rolle spielen. Kurz darauf kam der Gedanke dazu, für Kühe mit dem Kalender Geld zu verdienen und somit Nützliches und Sinnvolles zu verbinden.

Durch eine Freundin kam ich 2012 auf Hof Butenland, das Kuhaltersheim auf Butjadingen. Sie brachte mir einen Flyer mit dem Kommentar: „Schau mal Kühe, Lena!“ Und ich dachte mir: „Warum nicht einen Kalender mit Kühen von Hof Butenland machen und somit die Arbeit von Jan Gerdes und Karin Mück unterstützen?“ Ich setzte mich hin und schrieb Hof Butenland einen Brief, stellte meine Idee vor und fragte, ob sie Lust auf eine Kooperation hätten. So entstand der erste Kalender zum Thema Kuh, der „it’s cowtime Kalender 2015“. So begann ich Kühe auf meine Art zu zeichnen und meinen eigenen Stil zu entwickeln. Jetzt kommt schon der vierte Kalender seiner Art heraus, der „it’s cowtime Kalender 2018“.

Auch meine Bachelorarbeit, die ich im Februar 2015 gemacht habe, hatte den Titel „KUHZEIT – eine Wechselbeziehung“ und war eine große Installation mit Objekten und Videos. Die Grundlage für diese Arbeit war ebenfalls die Kuh und das Thema Zeit. Weiterhin verteile ich noch immer die kleine Stickerkuh, fotografiere und zeichne Kühe. Das Zeichnen und Händische ist mein Gegenpol zum Arbeiten mit der Kamera, dem Laptop und der Digitalität. So erkunde ich diese wundervollen Tiere durch meinen Blick und meine Hand.

Nicht mein schlimmster Moment in meinem Leben, aber ein für mich einschneidendes Erlebnis. Meine Mutter war Biologie Studentin, als ich ihr passiert bin. Ich bin mit ihr auf der Arbeit an Bächen groß geworden, habe im Meer schwimmen gelernt und war immer mit ihr viel in der Natur. Schon als 3 oder 4-jährige, sobald ich ein Skalpell in der Hand halten konnte, habe ich die Fischchen, die meine Mutter für ihre Arbeit zum Erhalt der Flußperlmuschel töten musste, zerlegt und erkundet. Ich bin mit dem Wissen groß geworden, dass wenn man Fleisch ist, dafür ein Tier getötet werden muss. Meine Mutter hat mir stets klar gemacht, wie wichtig Essen ist und wie wichtig gutes Essen ist. Sie hat immer viel und frisch gekocht und Fleisch war auch etwas Besonderes.

Ich war stets gegenüber meinen Freunden, die Vegetarier waren tolerant und interessiert. Jedoch hatte mich keiner davon überzeugen können, kein Fleisch mehr zu essen. Mein Geld, was nie viel war, habe ich stets in gutes Essen gesteckt und in Reisen oder Kreativkram. Als ich dann spontan nach Berlin, nach meiner Ausbildung zur Fotografin kam, war ich auf der Suche nach einer Bleibe. Ich habe viele Anfragen für Wohnungen geschrieben, darunter auch eine an eine Vegane WG.

In meiner E-Mail schrieb ich, dass ich zwar Fleisch esse, aber dies auch einstellen kann und wenn ich mal Fleisch essen würde, darauf achten würde, dass nichts kontaminiert werden würde etc. Mich interessierte der vegane Lebensstil und ich wollte gerne mehr lernen und erfahren. Ich schrieb eine sehr offene, sehr interessierte und respektvolle E-Mail, meiner Ansicht nach. Jedoch erhielt ich eine aggressive, genervte E-Mail zurück in der ich als Leichenfresserin und schlimmeres betitelt wurde. Mich hat das damals sehr mitgenommen und verletzt, da ich nicht verstehen konnte, wieso mir so viel Hass und Anfeindungen entgegen kam.

Als ich dann im gleichen Jahr, 6 oder 8 Monate später, selbst Veganerin wurde, habe ich mir geschworen, dass ich niemals so auf andere Menschen zugehen oder reagieren wollte. Für mich ist es wichtig, dass ich respektvoll und hilfsbereit mit Menschen umgehe, die anders denken als ich. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es nichts bringt aggressiv, belehrend und bevormundend zu handeln. Das baut in einem Menschen sofort eine Abwehrhaltung auf und ich erreiche, außer dass er gegen mich ist, nichts. Deswegen, wenn ich mit Menschen über meine Ernährung, Tierhaltung und alles rede, versuche ich es stets mit einem auf den Andren zu gehen.

it’s cowtime ist für mich ein Herzprojekt, ich bin nicht überdurchschnittlich erfolgreich. Es ist ein Projekt was nach und nach wächst und gedeiht, so wie ich selbst wachse und mich verändere im Laufe der Zeit. So wie meine Zeichnungen sich über die Jahre hin verändern und entwickeln. Der it’s cowtime Kalender hat dem ganzen Projekt eine Tiefe verliehen und hat mich in meinem Wollen bestärkt, mit meiner Arbeit die Arbeit von anderen zu unterstützen und somit etwas Gutes für die Tiere zu tun. Aufmerksamkeit zu erzeugen und einen Spot auf all die, so oft, Vergessenen zu richten. Ich hoffe, dass ich mit meinen Zeichnungen noch viele Menschen erreichen werde und auch zum Umdenken anrege.

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Das Foto ist von dem wundervollen Krischan Rudolph – old but gold!